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Geschichte von Stadt und Kanton Zug

Von den Pfahlbauten am Zugersee über Stadt und Amt Zug bis zum heutigen Kanton: die wichtigsten Stationen in eigenen Worten, mit Quellen zu jedem Abschnitt.

Stand: 05.10.2026

Überblick

Der Kanton Zug liegt am Rand der Voralpen: Westlich und nördlich des Zugersees gehört er zum Mittelland und reicht bis an die Reuss, östlich davon steigt das Gelände über den Zugerberg und das Ägerital bis auf 1580 Meter am Wildspitz an. Bis 1798 hiess das kleine Staatswesen «Stadt und Amt Zug»: Die Stadt am See bildete zusammen mit den drei Landgemeinden Ägeri, Menzingen (damals «am Berg») und Baar einen Ort der Eidgenossenschaft. Seit 1803 ist Zug ein Kanton der Eidgenossenschaft, Hauptort ist die Stadt Zug. Jahrhundertelang prägten Viehzucht, Obstbau und der städtische Markt das Leben, im 19. Jahrhundert kamen Fabriken an der Lorze und in der Stadt dazu. Seit den späten 1950er Jahren hat sich Zug zu einem international ausgerichteten Wirtschaftsstandort mit stark wachsender Bevölkerung entwickelt.

Quellen zu diesem Abschnitt

Ur- und Frühgeschichte

Nach dem Höhepunkt der letzten Eiszeit war das Gebiet um 17'000 v. Chr. wieder frei von Gletschern. Zu den ältesten bekannten Fundstellen gehört der Grindel bei Cham; die Spuren dort reichen bis etwa 14'000 v. Chr. zurück.

Aus der Jungsteinzeit und der Bronzezeit kennt die Archäologie mehr als 50 Ufersiedlungen an 33 Orten rund um den Zugersee, die sogenannten Pfahlbauten – unter anderem in Risch, Hünenberg, Cham, Steinhausen und in der Stadt Zug. Drei Fundstellen auf Stadtzuger Boden, Sumpf, Riedmatt und Oterswil-Inseli, gehören seit 2011 zum Unesco-Welterbe.

In der älteren Eisenzeit war der Kantonsteil im Mittelland vermutlich flächendeckend besiedelt. Griechische Keramik und Metallgefässe aus Etrurien sprechen dafür, dass auf der Baarburg um 500 v. Chr. ein keltischer Fürstensitz lag. Auch Namen wie Baar, Cham und Lorze haben keltische Wurzeln. In römischer Zeit standen um den Zugersee mehrere Gutshöfe; nachgewiesen sind sie unter anderem in Baar, Cham, Hünenberg und Risch. Nach dem Ende der römischen Herrschaft liessen sich Alemannen nieder. In Baar entstand im 7. oder 8. Jahrhundert die Vorgängerin der heutigen Kirche St. Martin.

Funde aus diesen Epochen zeigt das kantonale Museum für Urgeschichte(n) in Zug, das seit 1930 besteht.

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Mittelalter

Das älteste Schriftstück zum heutigen Kantonsgebiet stammt aus dem Jahr 858: König Ludwig der Deutsche schenkte damals dem Zürcher Fraumünster einen Hof in Cham. Zug selbst wird 1092 als «Ziuge» erwähnt. Oberhalb des Seeufers entstand im 11. und 12. Jahrhundert eine Burg, zuerst aus Holz und Erde, später mit einer steinernen Mantelmauer. Wohl am Anfang des 13. Jahrhunderts wurde am Seeufer eine kleine Stadt mit drei parallelen Gassen angelegt, die 1242 erstmals ausdrücklich als Stadt bezeichnet wird. Wer sie gründete, ist offen: Häufig werden die Grafen von Kyburg genannt, doch die Quellen belegen das nicht.

Nur ein Eintrag in einem Archivverzeichnis hält fest, Graf Rudolf IV. von Habsburg, der spätere König Rudolf I., habe Zug 1273 erworben. Um 1300 wird das habsburgische Amt Zug fassbar, zu dem neben der Stadt wohl das Ägerital, der Berg (Menzingen mit Neuheim) und Baar gehörten – der erste Kern des späteren Kantons.

1352 belagerte Zürich die Stadt und zwang Stadt und Amt Zug in ein Bündnis mit Zürich und den Orten der Innerschweiz. An den habsburgischen Rechten änderte das zunächst nichts; von 1370 bis 1404 stellte Schwyz den Ammann in Zug. 1415 erhielt Zug von König Sigismund die Reichsfreiheit. Damit erloschen die habsburgischen Rechte, und Zug war fortan ein gleichberechtigter Ort der Eidgenossenschaft. Die Zeittafel des Kantons nennt als weiteres Eckdatum dieser Zeit die Schlacht bei Morgarten von 1315.

Zwischen 1379 und 1498 erwarb die Stadt eigene Untertanengebiete rund um den See: zuerst die Vogtei Walchwil, danach Cham, Steinhausen, Risch und Oberrüti, das heute zum Aargau gehört; Hünenberg band sie über ein Burgrecht an sich. Um 1500 entsprach das Gebiet von Stadt und Amt ungefähr dem heutigen Kanton.

Am 4. März 1435 brach das Seeufer ein, und die seeseitige Gasse der Altstadt versank im See. Die Zeittafel des Kantons nennt 60 Todesopfer; das Historische Lexikon der Schweiz spricht von vielleicht einem Fünftel der Einwohnerschaft. Von 1478 bis 1528 errichtete die Stadt in Etappen einen neuen Mauerring mit sechs runden Türmen und drei Tortürmen; die ummauerte Fläche wurde dadurch etwa sechsmal grösser. Als die Befestigung im 19. Jahrhundert fiel, blieben vier der sechs Rundtürme stehen.

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Frühe Neuzeit

In der Reformation blieb Zug katholisch. Zwar standen um 1520 einige Geistliche mit Zwingli in Kontakt, doch 1526 legten sich die Stadt und die Landgemeinden Ägeri, Menzingen und Baar fest: Sie blieben katholisch und hielten zur Innerschweiz. Zug wurde damit zum Grenzgebiet gegenüber dem reformierten Zürich und diente in den Religionskriegen der Eidgenossenschaft als Aufmarschraum. Die Zeittafel des Kantons nennt für 1529 die «Kappeler Milchsuppe» und für 1531 die Schlachten bei Kappel und auf dem Gubel; auf dem Gubel, heute Gemeinde Menzingen, wurde im Zweiten Kappelerkrieg gekämpft.

Die Macht war auf mehrere Orte verteilt. Die Landsgemeinde trat einmal im Jahr zusammen, zuerst bei und später in der Stadt, und wählte vor allem die Amtsträger, darunter den Ammann. Über die wichtigen Geschäfte – bis hin zu Krieg und Frieden – entschieden die Versammlungen in Zug, Ägeri, Menzingen und Baar, die zur gleichen Zeit tagten; die Stadt hatte dabei zwei Stimmen, die Landgemeinden je eine. Die laufenden Geschäfte führte der Stadt-und-Amt-Rat mit 40 Mitgliedern, 13 davon aus der Stadt. Weil alle gemeinsamen Behörden in der Stadt tagten und der Ammann dort wohnen musste, war Zug der Hauptort des Standes.

Stadt und Amt stritten immer wieder um ihre Rechte. Im sogenannten Libellhandel 1603/04 verlangten beide Seiten sogar die Trennung, und 1702 regierte sich das Äussere Amt für einige Monate tatsächlich selbst. Die Bevölkerung wuchs nur langsam: Als 1629 zum letzten Mal die Pest in grossem Ausmass auftrat, starb bis zu einem Drittel der Menschen. 1743 zählte man im ganzen Gebiet 10'618 Einwohnerinnen und Einwohner, 1798 waren es 12'749. Der letzte Hexenprozess in Zug, 1737/38, kostete acht Frauen das Leben.

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Umbruch 1798 bis 1848

Mit dem Einmarsch der Franzosen endete 1798 die alte Ordnung. Am 11. Februar 1798 gab die Stadt ihre Vogteien frei; Ende April ergab sie sich ohne Kampf, und französische Truppen besetzten das ganze Gebiet. In der Helvetischen Republik war Zug von 1798 bis 1801 ein Distrikt des Kantons Waldstätten, dessen Hauptort die Stadt ab 1799 war, und von 1801 bis 1803 ein eigener helvetischer Kanton.

Seit der Mediationsverfassung von 1803 ist Zug ein Kanton der Eidgenossenschaft. Die früheren Vogteien Cham, Hünenberg, Steinhausen, Risch und Walchwil waren nun gleichberechtigte Gemeinden; Unterägeri hatte sich bereits 1798 politisch von Oberägeri gelöst. 1815 bestand der Kanton aus zehn Gemeinden.

1845 trat Zug dem Sonderbund bei. Im Sonderbundskrieg kapitulierte der Kanton am 22. November 1847, ohne zu kämpfen, und am 5. Dezember stürzte eine Versammlung der Liberalen die konservative Regierung. Die Verfassung vom 16. Januar 1848 schaffte die Landsgemeinde ab; zugleich löste sich Neuheim von Menzingen. Seither hat der Kanton elf Gemeinden. Im selben Jahr entstand der schweizerische Bundesstaat. 1849 folgte das erste kantonale Schulgesetz mit der bis heute erkennbaren Gliederung in Primarschule, Sekundarschule und Kantonsschule.

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Industrialisierung und Verkehr

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war Zug ein armer, ländlicher Kanton. Die Industrialisierung setzte spät ein und folgte zuerst der Wasserkraft der Lorze: 1834 nahm in Unterägeri die erste Fabrik des Kantons, eine Spinnerei, den Betrieb auf. Weitere Spinnereien folgten 1846 in Neuägeri, 1854 in Baar und 1863 in Hagendorn bei Cham. 1866 eröffnete die Anglo-Swiss Condensed Milk Company in Cham einen Grossbetrieb, der 1907 an jedem Tag Milch von 1000 Lieferanten aus 44 Ortschaften annahm.

In einer zweiten Phase wurde die Stadt Zug zum Industriestandort, nachdem Druckwasser- und Stromnetze den Mangel an Wasserkraft ausglichen. 1880 entstand die Metallwarenfabrik Zug, 1896 das Elektrotechnische Institut Theiler & Co., aus dem der Konzern Landis & Gyr hervorging, und 1913 schliesslich die Verzinkerei Zug, aus der später die V-Zug AG wurde.

Die Eisenbahn erreichte Zug 1864 mit der Linie der Nordostbahn von Zürich durch das Knonauer Amt nach Luzern. 1897 kam die Strecke von Zürich durch das Sihltal über Zug in Richtung Gotthard dazu. Seit 1852 fuhren Dampfschiffe auf dem Zugersee, 1907 erschloss die Zugerbergbahn den Zugerberg, und ab 1913 fuhr eine elektrische Strassenbahn ins Berggebiet.

Am 5. Juli 1887 gab das Ufer bei der Vorstadt nach, das durch Aufschüttungen für eine neue Quaianlage belastet war. Zwei Reihen von Häusern glitten in den See; elf Menschen kamen ums Leben. Danach galt am Ufer ein Bauverbot; die Stadt dehnte sich in dieser Zeit vor allem nach Norden aus.

Die Verfassung vom 31. Januar 1894 führte für die Wahl des Kantonsrats, der Regierung und der Gerichte den Proporz ein. Sie ist, vielfach geändert, bis heute die Grundlage des Kantons.

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20. Jahrhundert und Gegenwart

Nach dem Ersten Weltkrieg brauchte der Kanton mehr Einnahmen. Mit den Steuergesetzen von 1921 und 1930 begünstigte er Holding- und Domizilgesellschaften sowie sogenannte gemischte Gesellschaften; 1946 folgte eine Modernisierung des Steuersystems. Ab den späten 1950er Jahren zogen diese Regeln zusammen mit der Nähe zu Zürich zahlreiche Firmen an: Zwischen 1955 und 1970 stieg ihre Zahl auf das Vierfache, auf 5554. Zug wurde zu einem wichtigen Handelsplatz für Rohstoffe und zum Sitz internationaler Konzerne. Gemäss dem Historischen Lexikon der Schweiz wurde der Kanton dabei, ausgehend von einer mittleren Position, zum reichsten der Schweiz. Die Steuerpolitik blieb umstritten; die Stimmberechtigten bestätigten sie aber mehrmals an der Urne.

Zwei Zuger wurden in den Bundesrat gewählt: 1934 Philipp Etter aus Menzingen und 1973 Hans Hürlimann aus Walchwil.

Am 7. Februar 1971 stimmten die damals ausschliesslich männlichen Stimmberechtigten im Kanton dem kantonalen Stimm- und Wahlrecht der Frauen mit 62,5 Prozent Ja zu; dem eidgenössischen Frauenstimmrecht stimmten sie am selben Tag mit 59,9 Prozent zu. Zwölf Jahre zuvor, 1959, hatten im Kanton noch 76 Prozent der Stimmenden Nein gesagt.

Beim Attentat vom 27. September 2001 im Zuger Kantonsparlament wurden elf Mitglieder des Kantonsrats und drei Mitglieder des Regierungsrats getötet.

Auch das Wahlrecht hat sich gewandelt: Die Gerichte werden seit 2001 und die Exekutiven seit 2013 wieder im Majorz gewählt. Für den Kantonsrat gilt seit 2013 das doppeltproportionale Verfahren («doppelter Pukelsheim»), nachdem das Bundesgericht 2010 das bisherige Verfahren als verfassungswidrig beurteilt hatte.

Die Bevölkerung wuchs im 20. Jahrhundert stark. Zwischen 1900 und 1960 verdoppelte sie sich auf rund 52'500 Menschen, und um das Jahr 2000 überschritt sie die Marke von 100'000. Die neuesten Zahlen stehen im Abschnitt Zahlen im Zeitverlauf.

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Die elf Gemeinden

Seit 1848 besteht der Kanton aus elf Gemeinden. Je ein Hinweis zur Geschichte, mit Link auf die Gemeindeseite und auf den Artikel im Historischen Lexikon der Schweiz (HLS):

  • Baar – Im Bereich eines römischen Gutshofs entstand im 7./8. Jahrhundert die Vorgängerin der Kirche St. Martin; 1854 wurde hier die grosse Spinnerei gegründet. HLS: Baar
  • Cham – Ein Hof in Cham ist 858 das früheste schriftlich belegte Gut im Kantonsgebiet; ab 1866 verarbeitete hier die Kondensmilchfabrik der Anglo-Swiss die Milch der Region. HLS: Cham
  • Hünenberg – Die Herren von Hünenberg waren das wichtigste Dienstadelsgeschlecht der Gegend; später stand die Gemeinde über ein Burgrecht mit der Stadt Zug in Verbindung. HLS: Hünenberg
  • Menzingen – Die frühere «Gemeinde am Berg» erhielt 1479/80 mit Pfarrei und Kirche ein eigenes Zentrum; 1844 entstand hier das Lehrschwesterninstitut. HLS: Menzingen
  • Neuheim – Neuheim gehört zu den frühesten alemannischen Siedlungen, war lange Teil der Gemeinde am Berg und ist seit 1848 selbstständig. HLS: Neuheim
  • Oberägeri – Die Kirche St. Peter und Paul geht wahrscheinlich auf eine frühmittelalterliche Gründung zurück; Ägeri war eine der drei Landgemeinden des Äusseren Amts. HLS: Oberägeri
  • Risch – Die Kirche St. Verena ist eine archäologisch belegte frühmittelalterliche Gründung; die Lage des Bahnhofs prägte die Entwicklung des Ortsteils Rotkreuz. HLS: Risch
  • Steinhausen – Bis 1798 reichte die Hochgerichtsbarkeit der Stadt Zürich bis ins Dorf; 1611 wurde Steinhausen eine eigene Pfarrei. HLS: Steinhausen
  • Unterägeri – Hier nahm 1834 die erste Fabrik des Kantons den Betrieb auf; politisch ist Unterägeri seit 1798 von Oberägeri getrennt. HLS: Unterägeri
  • Walchwil – Walchwil wurde 1379 die erste Vogtei der Stadt Zug und 1804 eine eigenständige Pfarrei. HLS: Walchwil
  • Zug – Die Stadt am See, 1092 erstmals erwähnt, ist Hauptort des Kantons und Zentrum einer Agglomeration, die fast den ganzen Kanton umfasst. HLS: Zug

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Zahlen im Zeitverlauf

Der Kanton veröffentlicht die Einwohnerzahlen seiner Gemeinden seit 1850 als offene Daten. Stichtag ist jeweils der 31. Dezember. Weil sich Zählweise und Bevölkerungsbegriff mehrmals geändert haben, sind die Werte nur annähernd vergleichbar. Bis 1960 stammen sie aus den Volkszählungen, seither liegen sie jährlich vor.

JahrEinwohnerinnen und Einwohner
185017’461
190025’093
195042’239
197067’996
200099’388

Die Werte sind die Summe der elf Gemeinden. Die vollständige Reihe bis zum neuesten Jahr bietet der Datensatz «Bevölkerungsstand nach Gemeinde seit 1850» auf opendata.swiss.

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